Forschung
Forschungsprojekte
"Serial Figures and Media Change" (Forschungsprojekt, Mayer/Denson, DFG-gefördert, 2010-2013)
Das Forschungsprojekt untersucht anhand von topischen Figuren, die sich in der populärkulturellen Imagination des 20. und 21. Jh.s fest etabliert haben (Frankenstein, Dracula, Sherlock Holmes, Tarzan, Fu-Manchu, Superman und Batman) die komplexen Wechselbeziehungen zwischen den Prinzipien der Serialität und der Medialität in ihrer historischen Entfaltung. Im Zentrum des Projekts stehen Figuren, deren populärkulturelle Karriere von unterschiedlichen Medien geprägt wurde, deren Inszenierung also einen oder mehrere Medienwechsel durchlief. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie sich unterschiedliche mediale Formen auf serielle Erzählinhalte auswirken. Die für serielle Figuren zentralen Aspekte der Repetitivität und Wiedererkennbarkeit werden demnach spezifisch mit Blick auf die expliziten Variationen oder subtilen Re visionen untersucht, die sich vor allem an Medienwechseln und Brüchen zwischen Repräsentationsformen festmachen lassen.
Grundthese des Projektes ist, dass sich die Inszenierungen von seriellen Figuren nicht nur mittels unterschiedlicher Medien vollziehen, sondern dass die Medien und ihre spezifischen Medialitäten selbst im Rahmen der Inszenierungen thematisch werden, dass also die Inszenierung von seriellen Figuren ein narrativ bedeutsames und formengeschichtlich folgenreiches Moment medialer Selbstreflexivität aufweist. Das Projekt ist medientheoretisch, narratologisch und technologiehistorisch angelegt. Es ist Teil der DFG-Forschergruppe "Ästhetik und Praxis populärer Serialität" mit Sitz an der Georg-August-Universität Göttingen (Leitung Frank Kelleter).
"Figuring Serial Trajectories" (Post-Doc/Habilitation, Shane Denson)
Das Habilitationsprojekt mit dem Arbeitstitel "Figuring Serial Trajectories" wird Ansätze aus der Technikphilosophie (u.a. Don Ihdes materialistische Phänomenologie, aber auch Andrew Pickerings Theorie der 'Mangel') und der Medientheorie (z.B. Mark Hansen und die systemtheoretische Medientheorie Niklas Luhmanns) nutzen, um die historischen Beziehungen zwischen seriellen Figuren und den Medien ihrer Inszenierung zu befragen. Medialität und Medien werden dabei als nicht-neutrale, aber auch nicht-deterministische Mittler zwischen den Produzent/inn/en und Rezipient/inn/en serieller Erzählungen begriffen. Populäre serielle Figuren, so die Grundthese des Buchprojekts, gestatten es, einen im Allgemeinen nur indirekt und im Nachhinein offensichtlichen Prozess des Medienwandels exemplarisch abzubilden. Zentraler Bezugspunkt der Studie sind die materiellen Formate der Verhandlungen zwischen Produktion und Rezeption, d.h. Publikationstechnologien und -verfahren, vermittelnde Apparate, räumlich manifeste Institutionen und die somatisch-emotive Wahrnehmbarkeit dieser Rahmenbedingungen. Die Studie zielt auf eine systematische Erschließung des theoretischen Rahmens für einen plurimedialen und historisch differenzierten Vergleich zwischen fest etablierten und immer wiederkehrenden Figuren der populären Kultur ab, z.B. Frankenstein, Dracula, Tarzan, Sherlock Holmes, Batman und Superman. Dieser Vergleich legt nahe, dass die um serielle Figuren kreisenden Interaktionen zwischen produktions- und rezeptionsseitigen Instanzen Teil eines eigendynamischen Prozesses serieller Formenentwicklung sind, die von keiner der beiden Seiten autark gesteuert werden.
"Serial Fu Manchu. The Chinese Super-Villain and the Spread of Yellow Peril Ideology" (booklength study, Ruth Mayer)
This study explores Fu Manchu as a serial figure whose career spans the width of the 20th century and its yellow peril imagination. It starts from the observation that the principle of seriality does not only capture the workings of large parts of popular culture meaning making in the 19th and 20t century, but also lends itself to the description of processes of ideological dissemination. Fu Manchu's popular seriality resonates with and reinforces the seriality of the yellow peril myth. With this, Serial Fu Manchu takes up political and social theories of seriality (among them Jean-Paul Sartre's, Benedict Anderson's and Iris Marion Young's theories of collectivity and community), correlating them with cultural theories of mediality and popular aesthetic expression. The study's focal point of reference will be the transnational serial unfolding and increasing iconization of Fu Manchu between 1913 (when he first saw the light of day in serial narratives published almost simultaneously in the UK and in the US) and the 1970s (when he retreated from the transatlantic cultural scene). Serial Fu Manchu starts from the assumption that Fu Manchu's seriality is no mere concomitant effect of the figure's popular and ideological appeal, but constitutes a core feature of the yellow peril's success story. The study's scope is transmedial - it examines serial novels, films and film serials, comics and graphic novels - and it pays particular attention to the impact of media changes on the serial flow of Fu Manchu's transnational career. Its contention is that seriality is a principle rather than a technique and that this principle cannot be deduced to one author, author collective, or instigator. It gains a 'machinic' momentum of its own in the course of its unfolding, propelled along by the varying media and medial formats of choice, by the technological, political, and cultural contours of these media environments, and by the complex and uneven interactions of authors, audiences, and larger institutional configurations. In consequence, the medially diverse Fu Manchu narratives have to be seen as serial performances or enactments, rather than representations, of the yellow peril theme. They work as engines in a serial machinery which generates and spreads ideological certainties.
(Das Buch erscheint 2013 bei Temple University Press.)
Initiative für interdisziplinäre Medienforschung

Die Bedeutung von Medien im Alltag sowie in der akademischen Welt nimmt unaufhörlich zu. Da die Auswirkungen von Medien und verwandten Vermittlungstechniken und -prozessen so facettenreich und weitreichend sind, ist praktisch keine wissenschaftliche Disziplin immun gegen medial bedingte Veränderungen in der Methodik, im Inhalt und sogar im disziplinären Selbstverständnis. Gleichzeitig kann aus demselben Grund praktisch jede Disziplin etwas zum Verständnis von Medien und ihren Effekten beitragen, während kein einzelnes (traditionell verstandenes) Fach ein Monopol an Medienwissen für sich in Anspruch nehmen kann. Zu Recht positioniert sich das relativ junge Fach der Medienwissenschaften hier in einer zentralen Rolle, aber dieses Fach arbeitet andererseits mit methodischen und theoretischen Prinzipien und Verfahren, die es von den länger etablierten ‘klassischen’ Disziplinen geerbt, geliehen oder adaptiert hat. Der Medienwissenschaftler Jason Mittell bezeichnet so die Medienwissenschaften folgerichtig als „Inter-Disziplin” und stellt fest, dass Medienforschung sich am besten als interdisziplinäres Unternehmen gestaltet.
In diesem Sinne versteht sich die Initiative für interdisziplinäre Medienforschung an der Leibniz Universität Hannover als Forum für einen gegenseitig bereichernden und überdisziplinären Austausch über Medien zwischen Vertreter aus diversen Fachdisziplinen. Durch Vorträge, Workshops, Lesegruppen und Filmvorführungen, unter anderem, möchten wir diesen Austausch anregen und so zur interdisziplinären Verständnis von einer breiten Palette von Medienphänomenen beitragen. Ein Blog dient als Plattform für diesen Austausch und informiert über unsere Aktivitäten. Sie kommen hier zum Blog.
"Multimodale Erzählformen in Serie: Die Yellow Kid-Zeitungscomics des späten 19. Jahrhunderts" (Post-doc, Dr. Christina Meyer)
Anhand der "Comic Supplements" der (Pulitzer), respektive des (Hearst) geht das Forschungsprojekt der Frage nach wie die kontroversen politischen Themen und die gesellschaftlichen und historischen Ereignisse des späten 19. Jahrhunderts verhandelt wurden. Speziell geht es dabei um die Aufarbeitung von Immigrationsdiskursen der Zeit. 1895 betritt das "yellow kid", die erste seriell inszenierte (und kolorierte) Comicfigur, die 'Bühne' der New Yorker "yellow press" und heizt den Zeitungskrieg zwischen Joseph Pulitzer und William R. Hearst weiter an. "The yellow kid" ist ein glatzköpfiger Straßenjunge mit einem langen gelben Shirt. Sehr schnell wurden die "Comic Supplements" zum Verkaufsschlager, der die Leserzahlen steigen ließ. Richard Felton Outcault - 'Vater' dieses Kassenschlagers - zeichnete zunächst für Pulitzers die "yellow kid"-Serien bevor er wenige Monate später von Hearst engagiert wurde, die Geschichten für sein weiter zu zeichnen. Outcaults 'Nachfolger' bei Pulitzer wurde der Maler und Illustrator George Benjamin Luks, der neben Everett Shinn und anderen der Schule angehörte. Zwei konkurrierende Versionen der Straßenkinder-Geschichten erschienen von nun an in den zwei führenden New Yorker Zeitungen des auslaufenden 19. Jahrhunderts. Die "yellow kid" Geschichten werden im Milieu der urbanen, ethnisch heterogenen Arbeiterschicht New Yorks erzählt. Die Seiten problematisieren u.a. die Folgen der Industrialisierung und sprechen brisante Themen wie die sozial und ethnisch konfliktreiche Gesellschaft, Korruption, Wahlkämpfe, Klassenzugehörigkeit, Diskriminierung, Erziehung und Bildung an. Die Mittel- und Oberschicht ist dabei regelmäßig Zielscheibe des Spotts. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Medium Comic wird das Auftreten des "yellow kid" als bedeutsamer Moment in der amerikanischen (Populär)-Kultur und als wichtiger Bestandteil der (literarisch-künstlerischen) Moderne bezeichnet. Vor diesem Hintergrund betrachtet das Forschungsprojekt die "yellow kid"-Geschichten als kulturgeschichtliches Phänomen, das in der Comic-Forschung zwar oft erwähnt, aber bisher nicht fundiert analysiert und kontextualisiert wurde. Die formal-ästhetischen Neuerungen, die durch die "yellow kid" Zeichner eingeführt und von den Nachfolgern weiterentwickelt (oder dekonstruiert) wurden, wurden mehrfach hervorgehoben. Jedoch findet man bisher keine Studie, die der Frage nachgeht, wie die brisanten politischen Themen der Zeit und die sozialstrukturellen Kategorien von Ungleichheit und kultureller Differenz ("race", "class", "ethnicity") in den "yellow press"-Comicseiten verhandelt wurden. Das Forschungsprojekt schließt diese Lücke, indem es sich mit Versionen der "yellow kid"-Serie auseinandersetzt.
"Imagining the Nation. Constructions of Community after the American Civil War" (Habilitation, Dr. Kirsten Twelbeck)
Das Forschungsprojekt untersucht, welche Vorstellungen weiße Amerikaner und Amerikanerinnen aus den Nordstaaten über das gesellschaftliche Zusammenleben während und vor allem nach dem Bürgerkrieg von 1861-1865 entwickelten. Mit Abschaffung der Sklaverei und Einführung des 13ten, 14ten, und 15ten Verfassungszusatzes deutete sich damals eine neue, demokratische Ära an; Historiker sprechen von einer "Second Founding". Doch nach einer anfänglichen "radikaldemokratischen" Phase entwickelte sich die sogenannte Reconstruction rasch zu einer Epoche schlimmster Rassendiskriminierung, und weiße Frauen wurden weiterhin vom Wahlrecht ausgeschlossen. Das Forschungsprojekt interessiert sich weniger für diese konkreten historischen Entwicklungen als für die Vielfalt an Sichtweisen auf der kulturellen Ebene. Wie einige neuere Forschungen auch, fasst es die Reconstruction als eine wesentlich längere Phase, als dies bis vor kurzem üblich war: Beginnend mit dem Jahr 1861, als die ersten Sklaven in einigen Regionen des Südens befreit wurden, und weit über das Jahr 1877 (als die Unionstruppen endgültig aus den ehemaligen Konföderationsstaaten abzogen) hinaus war die Second Founding eine Zeit der politischen, sozialen und kulturellen Konsolidierung. Amerikaner unterschiedlichster Couleur verhandelten nicht nur über die Organisation des zukünftigen Staates sondern auch über die Bedeutung ihrer Nation. Um diese Verhandlungen nachzuzeichnen, analysiert das Projekt nicht-literarische und literarische Texte, die zwischen 1861 und 1882 verfasst wurden. Es fragt nach der jeweiligen Rhetorik, den Diskursen und den kulturellen Strategien, auf die zurückgegriffen wurde, um die jeweilige Sicht auf die Demokratie zu verteidigen. Im Kern geht es dabei um die Hoffnungen und Ängste von Menschen in einer Zeit des Umbruchs. Wie dabei deutlich wird, herrschten damals selbst in einer eng definierten Gruppe (weiße Nordstaatler) enorme Differenzen vor. Die einzelnen Kapitel untersuchen eine ganze Bandbreite an Genres; das umfasst Briefe und Tagebücher ebenso wie sensationalistische, religiös inspirierte und utopische Literatur sowie Gedichte. Mit dieser Mischung aus "privaten" und "öffentlichen" Texten, as "Bestsellern" und "kanonisierten" Werken soll eine Entwicklung nachgezeichnet werden, die auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig statt fand: die Frage des nationalen Neubeginns änderte sich über die Jahrzehnte nach 1861 hinweg kontinuierlich und prägte die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mehr als allgemein angenommen. Das Projekt zielt also auch darauf ab, die kulturelle Bedeutung dieser unmittelbaren Kriegs- und Nachkriegszeit herauszuheben. Diese von den Literatur- und Kulturwissenschaften vernachlässigte Periode - so das Argument - hatte einen erheblichen kulturellen Einfluss auf das späte neunzehnte Jahrhundert. Das Buchprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert und soll 2013 abgeschlossen sein.
Schwerpunktprogramm "Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne" (SPP 1688) (Leitung Gamper/wegner, 2013-2016)
Das DFG-Schwerpunktprogramm will in zwei Perioden von drei Jahren die Phänomene ‚Zeit‘ und ‚Zeitlichkeit‘ an ausgesuchten Kunstwerken, Artefakten und Objekten der Moderne analysieren, wobei sich der Untersuchungszeitraum von der Gegenwart bis in die Frühe Neuzeit erstreckt. Dieser Ansatz geht davon aus, dass ‚Zeit‘ sich als grundlegendes Phänomen von Sukzessivität nicht allgemein fassen lässt und dass ihr Erscheinen als geschwindigkeitsbezogene räumliche Bewegung, Distanzüberwindung, Veränderung des Entwicklungszustands von Materie und Lebewesen, Ausdehnung und Kontraktion oder (un)regelmäßige Wiederholung an die merkmalsevidente Verbindung mit konkreten Gegenständen gebunden ist. Den integrativen Bezugspunkt der Forschungen bildet das Konzept der ‚ästhetischen Eigenzeiten‘. ‚Ästhetische Eigenzeiten‘ bezeichnen die wahrnehmbar gemachten, irreduzibel idiosynkratischen Temporalitätsregime einzelner Objekte oder Subjekt-Objekt-Konstellationen. Sie realisieren sich durch ‚ästhetische Form‘ in der doppelten Semantik des Worts, also durch sinnlich-materielle Erscheinung und aisthetische Darstellung oder, spezifischer, durch künstliche und künstlerische Gestaltungspraktiken. Das Konzept der ‚ästhetischen Eigenzeit‘ bezieht sich zum einen auf die in Artefakten selbst gesetzte, (per)formierte Zeit im Vollzug, zum anderen artikuliert es ein auf die allgemeineren gesellschaftlichen, technischen, kunsttheoretischen und wissenschaftlichen Zeitkonzepte reagierendes, sie kommentierendes, reflektierendes und mitgestaltendes historisches Zeitbewusstsein. Dieser methodische Zugang verspricht einen neuen Blick nicht nur auf das Wissen von der Zeit, sondern auch auf die Zeitlichkeit allen Wissens.
Ruth Mayer fungiert als eine der Initiatorinnen des Progamms.
"Diasporische Selbstinszenierungen. Chinesisch-amerikanische und amerikanisch-chinesische Identitäten im Austausch" (Forschungsprojekt, Mayer/Künnemann, DFG-gefördert, 2006-2010)
Das Forschungsprojekt untersuchte aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive transnationale Austauschbeziehungen zwischen China und den USA mit besonderem Fokus auf die Erfahrungen und Repräsentationen von chinesischen Amerikanern. Das Projekt zielte primär darauf, den sehr stark gegenwartsorientierten Überlegungen zum Konzept der Diaspora (Stichwort 'Globalisierung') eine historische Dimension zu verleihen. Im Rahmen des Projekts wurden zwei Sammelbände (beide herausgegeben von Vanessa Künnemann und Ruth Mayer) publiziert: Trans-Pacific Interactions. The United States and China, 1880-1950 (Palgrave Macmillan 2009) und Chinatowns in a Transnational World. Myths and Realities of an Urban Phenomenon (Routledge 2011).

