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Symposium "Kurz & Knapp. Erzählen und Wissen in kleinen Formen"

Tweets, Kurznachrichten, Facebook-Statusmeldungen oder Microblog-Einträge: die Verfahren, Neuigkeiten zu verkünden und Wissen zu teilen, werden scheinbar immer kürzer. Aber die Konjunktur des Kurzen und Knappen setzte lange vor dem digitalen Zeitalter ein. Die Tagung "Kurz & Knapp. Erzählen und Wissen in kleinen Formen" setzt den aktuellen Trend der Verknappung in Bezug zu seiner Vorgeschichte. Dabei zeigt sich, dass die Karriere der kleinen Formen eng mit kulturellen Errungenschaften des 17. Jahrhunderts zusammenhängt, die bis zum 19. Jahrhundert rasant an Fahrt aufnahmen: mit der Entwicklung eines nationalen und transnationalen Pressewesen, mit der Formation globaler Öffentlichkeiten und Märkte, mit der wissenschaftlichen Professionalisierung und mit der Herausbildung neuer Medientechnologien. Im Zuge dieser Neuordnung der öffentlichen Kommunikation gewannen Formate an Gewicht, die das Unbekannte und Neue kompakt und kompatibel fassen konnten: Anekdoten, Fallbeispiele, Kurzmeldungen, 'Vermischtes' und Miszellen 'aus aller Welt'. 

Eine forschungsleitende Annahme der Tagung lautet, dass kleine Formen - Formen, die sich durch Kürze und Knappheit auszeichnen - in besonderer Weise dazu geeignet sind, das Zusammenspiel von Wissen und Erzählen zu regulieren und zu gestalten. Diese Formen gewinnen ihre epistemologische und poetologische Bedeutung pragmatisch durch ihre Relation zu längeren, ausgedehnten und größeren Formen, also durch Verfahren und Signale der Verdichtung, Prägnanz, des Weglassens und des Abbruchs, aber auch der Tentativität und Vorläufigkeit. Daraus ergeben sich einerseits Effekte der Verabsolutierung und Isolierung: kleine Formen suggerieren Punktgenauigkeit, Exaktheit - das letzte Wort zum Thema. Andererseits signalisieren Kürze und Knappheit aber auch ostentativ Unvollständigkeit bzw. Unabgeschlossenheit: kleine Formen reduzieren und fragmentarischeren und aktivieren damit Dimensionen des Möglichen. Komplexität wird so durch den Einsatz der kleinen Formen wahlweise erhöht oder verringert, wobei die Bewegungen der Komplexitätsreduktion und -steigerung unvermittelt ineinander umschlagen können. Die kleinen Erzählungen können gerade aufgrund ihrer Variabilität und Verfügbarkeit unter bestimmten Bedingungen zur Metaerzählung werden. Kürze und Knappheit der Erzählungen erleichtern ihr Zirkulieren und fördern ihre (Re-)Kombinierbarkeit sowohl in zeitlichen als auch in räumlichen Dimensionen. Wegen ihres komprimierten und höchst übersichtlichen Formats erlauben die erzählerischen Formen des Kurzen und Knappen eine besonders effektive Beobachtung der Beziehung von Erzählen und Wissen. 

Die Tagung wurde von Michael Gamper (Germanistik) und Ruth Mayer (American Studies) konzipiert und organisiert und durch die Volkswagenstiftung gefördert. Sie findet im Schloss Herrenhausen statt.