• Zielgruppen
  • Suche
 

Magdalena Bachmann (Wien)

Short Bio

Magdalena Bachmann ist Germanistin und promovierte Chemikerin. Derzeit arbeitet sie als Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien an einer literatur- und kulturwissenschaftlichen Dissertation zum essayistischen Alterswerk des Biochemikers Erwin Chargaff (1905-2002). Sie beschäftigt sich mit dem Wechselverhältnis von Literatur und Wissen, von journalistischem und literarischem Schreiben und mit Aspekten der Wissenspopularisierung und -kommunikation. Ein weiterer Interessenschwerpunkt liegt auf der Gattungstheorie und -geschichte nicht-fiktionaler Prosa. 

Abstract: "Kurz und knapp? Oder doch komplex? Wissen in Formeln"

Der DUDEN definiert "Formel" u.a. als "kurz gefasste[n] Satz oder Ausdruck, in dem sich ein gedanklicher Zusammenhang erhellend fassen lässt" (Hervorhebungen von mir). Das erscheint, denkt man an geläufige mathematische Formeln wie a2+b2=c2 oder auch die mittlerweile ubiquitären Emoticons, die der unkomplizierten Signalisierung persönlicher Gefühlslagen dienen, zunächst einmal durchaus plausibel. Betrachtet man hingegen populäre, indes außerhalb eines sehr kleinen Kreises von Experten kaum jemandem zugängliche Formeln wie E=mc2, ganz zu schweigen von den bisweilen äußerst voluminösen Gleichungen der Mathematiker oder komplexen chemischen Formeln, so relativiert sich dieser Eindruck: Formeln, die vermeintlich auf die prägnante Vermittlung von Wissen abzielen, sind erstens nicht notgedrungen "kurz" und zweitens oftmals (zumindest für Laien) alles andere als "erhellend". Zu fragen ist also: Welche Funktion kommt Formeln in unterschiedlichen Kontexten und Genres zu? Wie gestaltet sich das Verhältnis von (narrativem) Textfluss und Formel? Was signalisiert der Gebrauch von Formeln und welche Wertzuschreibungen sind damit verknüpft? Und könnte es sein, dass die Formel zwar Knappheit, Präzision und Eindeutigkeit suggeriert, aber eben nicht unbedingt Klarheit schafft, sondern ganz im Gegenteil unter Umständen zur Arkanisierung und Auratisierung von disziplinärem Wissen beiträgt? Nicht zuletzt: Wären Formeln in Analogie zur Zauberformel als Gegenstück zur Narration zu begreifen, das anders als diese nicht auf das Einholen vergangener Geschehnisse abzielt, sonder vielmehr auf das Zukünftige - und vor allen: auf dessen divinatorische Beeinflussung?