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Laura Bieger (Freiburg)

Short Bio

Laura Bieger ist Professorin für amerikanische Literatur und Kultur an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Zuvor unterrichtete und forschte sie an der Freien Universität Berlin, der University of California at Berkeley und der Universität Wien. Ihr Buch Ästhetik der Immersion (transcript, 2007) beschäftigt sich mit urbanem Raum, der die Schnittstelle von Welt und Bild zum Gegenstand von ästhetischer Erfahrung macht. Ihr zweites Buch No Place Like Home entwickelt eine räumlich und anthropologisch versierte Erzähltheorie und liest mit ihr amerikanische Romane aus vier Jahrhunderten. Ihre Aufsätze und Rezensionen sind in American Studies/Amerikastudien, REAL, ZAA und New Literary History erschienen. Sie ist Mitherausgeberin der Aufsatzsammlung von Winfried Fluck Romance with America? (Winter, 2009), der Bände Mode: Ein kulturwissenschaftlicher Grundriss (Funk, 2012), Revisiting the Sixties (Campus, 2013) und The Imaginary and its Worlds (University of New England Press, 2013). 

Abstract: "Poetische Verdichtung und erzählerische Verknappung im amerikanischen Gegenwartsroman, oder: Don DeLillos neue Liebe der kurzen Form" 

Seit dem monumentalen Roman Underworld (1997) mit seinen über 800 dichten Seiten schreibt Don DeLillo kurze Romane. The Body Artist (2001), Cosmopolis (2003), Falling Man (2007), Point Omega (2010) sind alle weniger als 250 Seiten lang - zwei von ihnen haben weniger als die Hälfte dieses Umfangs und eine besonders stilisierte, lyrische Sprache. Underworld ist oft als Ende der Beschäftigung seines Autors mit dem Amerika des Kalten Krieges gelesen worden. Und wenn das unheimliche Gefühl, dass alles miteinander verbunden ist, das dieser Roman sowohl formal als auch inhaltlich expliziert, die lange Form brauchte, um sein Netz endloser Verbindungen zu spinnen, dann stellt sich die Frage, was die Kürze der nachfolgenden Romane mit DeLillos Zugriff auf das Amerika nach dem Kalten Krieg zu tun haben könnte. In aller Kürze: The Body Artist und Point Omega betreiben eine Ästhetik der Reduktion, die narrative Form an ihre Grenzen treibt, indem sie die zeitliche Herrschaft des Emplotments suspendiert. Sie tun dies, um eine erlösende Kapazität der Sprache freizulegen, die die vormoderne Funktion von Dichtung rehabilitiert: Geister vertreiben und mit den Göttern reden.