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Janine Firges (Konstanz)

Short Bio 

Janine Firges ist Doktorandin im EXC 16: Kulturelle Grundlagen von Integration und arbeitet in der interdisziplinären Forschungsstelle "Signaturen der Frühen Neuzeit" (Prof. Dr. R. Schlögl) an der Universität Konstanz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Musik und Literatur, sowie Drama und Ästhetik des 18. Jahrhunderts. Titel der Dissertation: "Crescendo. Transformationen der Gradatio im 18. Jahrhundert". 

Abstract: "Erzählen als 'bloß andeutender Fingerzeig'. Verknappung, Sprachskepsis und Unsagbarkeit in Karl Philipp Moritz' Signatur des Schönen

Im 18. Jahrhundert lässt sich in literaturtheoretischen und philosophischen Schriften ein gewisses Sprachmisstrauen beobachten: Mit der Erkenntnis einer allgegenwärtigen "Mannigfaltigkeit" der Natur, die seit Leibniz in seinen Nouveaux Essais (1704) zum Prinzip erhoben und über Baumgarten zum ästhetischen Desiderat weiterentwickelt wurde, rückt zunehmend die Problematik der Abbildbarkeit des Sichtbaren in den Mittelpunkt und damit die Frage, inwiefern Zeichen Natur oder das Seeleninnenleben - jenseits mathematischer Formeln, Graphen und Figuren - adäquat repräsentieren und Vielfalt jenseits eines je ne sais quoi fassbar machen können. Gerade die 'starre' Natur des sprachlichen Zeichens gerät dabei in Kritik, da ihr einerseits abstrakter, andererseits vieldeutiger Charakter zunehmend entlarvt wird. Dieses Sprachmisstrauen führt u.a. zum Projekt einer Versinnlichung von Sprache: Worte fungieren lediglich als Knotenpunkte, ihre Erschließung verlagert sich hingegen nahezu vollständig auf die Ebene der Einbildungskraft und Empfindung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie ein derartig verknapptes Sprachbild sich in der Form eines literarischen Texts äußern kann. Eine theoretische Schrift, die am Ende des 18. Jahrhunderts sich dieser Frage widmet, ist Karl Philipp Moritz' Signatur des Schönen (1788/89). In Weiterführung der Laokoon-Diskussion wird hier Sprache auf einen "bloß andeutenden Fingerzeig" reduziert. Der Text durchspielt eine Vielzahl unterschiedlicher Medien, um am Ende das Wort nur noch als "Spur" anzudeuten und durch die malerische Kontur zu ersetzen, welche es vermag, das Unfassbare einzufassen und eine unmittelbare Übersetzung des Wahrgenommenen in einen literarischen Text vorzunehmen.