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Lisa Gotto (Köln)

Short Bio

Lisa Gotto ist Professorin für Filmgeschichte und Filmanalyse an der Internationalen Filmschule Köln (ifs). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Film- und Mediengeschichte, Film- und Medientheorie, Bildästhetik sowie digitale Medienkultur. Letzte Buchpublikationen: New Game Plus. Perspektiven der Game Studies. Genres - Künste - Diskurse (Hg., transcript, 2015), Jean Renoir (Hg., edition text+kritik, 2014), Serious Games, Exergames, Exerlearning. Zur Transmedialisierung und Gamification des Wissenstransfers (Hg., transcript, 2013), Bildwerte. Visualität in der digitalen Medienkultur (Hg., transcript, 2012). 

Abstract: "Micro-Movies. Zur medialen Miniatur des Smartphone Films" 

Filme sind beweglich. Als Bewegtbilder unterliegen sie der Bewegung und bringen selbst Bewegung hervor: Das gilt seit Beginn der Kinematographie. Im Zeitalter der Digitalisierung sind Filme jedoch viel beweglicher als sie es in der Industrialisierung sein konnten: Das gilt für ihre Produktion, Rezeption und Distribution. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als beim Smartphone-Film. Nicht nur ist die Kamera, die wir im Smartphone stets bei uns tragen, mobiler geworden. Auch das, was sie aufnimmt, kann ohne zeitliche Verzögerung oder räumliche Separation bearbeitet und betrachtet, verteilt und vernetzt werden. Die Medienpraxis des Smartphone-Films ist mithin durch eine besondere Form der Beweglichkeit charakterisiert: einer Mobilität der Geräte, Akteure, Verfahren und Übertragungen. Damit verbunden ist ein neues Bild- und Raumverständnis. Smartphone-Filme beziehen sich nicht auf das Dispositiv des Kinos, sondern auf die medialen Bedingungen der mobilen Bildschirme und Betrachter: Ihre Bilder lernen laufen, indem man sie herumträgt. Begünstigt und beschleunigt wird dadurch nicht nur die Fokussierung auf das Flüchtige und das Vorläufige, sonder auch die Emergenz gänzlich neuer filmischer Formen. Dabei zeigt sich, dass die Vorstellung der großen Dramaturgie, die den abendfüllenden Langfilm geprägt hat, durchkreuzt wird von einer neuen Logik der Kürze. Smartphone-Filme als dezidiert digitale Praxis beginnen, das Kleine als eigene Grundform sichtbar und produktiv zu machen. Ansetzend bei der These, dass mit den Operationen und Dynamiken des mobilen Medienhandelns ein neues Bildwissen zusammenhängt, möchte der Vortrag nach der spezifischen Ästhetik der filmischen Smartphone-Bilder fragen. Dabei wird er davon ausgehen, dass der Smartphone-Film jenes Bildwissen nicht postuliert, sondern durch mobile Verfahren überhaupt erst generiert.