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Ruth Mayer (Hannover)

Short Bio

Ruth Mayer ist Professorin für American Studies an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Globalisierungs- und Transnationalisierungsbewegungen, populäre Seriosität sowie Massenkultur und Modernität. Ihre Publikationen umfassen Diaspora (transcript, 2005) und Serial Fu Manchu: The Chinese Super-Villain and the Spread of Yellow Peril Ideology (Temple UP, 2014). 

Abstract: "Kulturelles Wissen in Kurzform. Der frühe Film zwischen Erschließen und Erzählen" 

Zunächst waren alle Filme Kurzfilme. Aus technischen Gründen brachte das frühe Kino (1880-1910) nur Filme hervor, die nicht länger als 15 Minuten waren, die meisten waren deutlich kürzer. Wie nutzt der frühe Film diese kondensierte Form, um zu erzählen und wie greift das Erzählen des frühen Films auf Wissen zurück? Wie werden über diese sehr spezifische Engführung von Wissen und Erzählen im kurzen Format mediale Möglichkeiten ausgelotet und geprägt? Der Vortrag möchte diese Fragen anhand von Literaturfilmen des frühen Kinos ausloten, die auf ganz andere Weise als spätere Literaturverfilmungen ihre Vorlagen als bekannt voraussetzen und pointiert abrufen mussten. Das Erzählen in der kurzen Form des frühen Films greift auf Gewusstes - etablierte und vertraute Geschichten - zu, um das Neue - die filmischen Vermittlung oder die narrativen Pointierung - hervorzuheben. Die kleine Form des Films will hier etwas dezidiert anderes als die dramatische und epische Form ihrer Bezugstexte - sie testet die Möglichkeiten nicht nur des Mediums, sonder auch des Narrativs skizzenhaft und fragmentarisch aus. Als Arbeitshypothese fungiert die Vermutung, dass Narration und Wissen im frühen Film in ein sehr spezifisches Abhängigkeits- und Verweisverhältnis eintraten, das in der Folgegeschichte verschüttet wurde, dann aber ähnlich auch für die Internet-Mikroerzählungen unserer Zeit relevant sein mag.