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Elisabetta Mengaldo (Hannover)

Short Bio

Elisabetta Mengaldo hat an den Universitäten Padova (Italien), TU Dresden und Würzburg Germanistik und Slawistik studiert und ihr Studium mit einer Magisterarbeit über die aphoristische Prosa F. Nietzsches abgeschlossen. 2007 ist sie mit einer Dissertation über Textgenese bei Georg Trakl in Siena und Hildesheim (co-tutèle) promoviert worden; die Monographie ist 2009 in Pisa erschienen. 2009 bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Philologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, wo sie u.a. am DFG-geförderten Projekt für die Fertigstellung einer textgenetischen Edition von Wolfgang Koeppens "Jugend" arbeitete. Seit Februar 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Sie arbeitet an einem Habilitationsprojekt zu Schreibverfahren der nicht-fiktionalen Kurzprosa (Aphorismus, Fragment, Essay) im Diskurs der Naturwissenschaften zwischen Spätaufklärung und Frühromantik. Publikationen zur Intertextualität in der modernen Dichtung, zu Trakl, Adorno, Nietzsche, Koeppen. 

Abstract: "'Man könnte daraus eine artige Fabel machen'. Anekdoten, Fabeln und Kurzgeschichten bei G. Ch. Lichtenberg" 

Der Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) ist ganz unbeabsichtigt zum Vater des literarischen Aphorismus in Deutschland geworden. Seine postum veröffentlichten Sudelbücher waren jedoch private Notizhefte, in denen er meistens "kurz und knapp" alles Mögliche notiert festgehalten und entworfen hat: von anthropologischen Beobachtungen über mögliche physikalische Versuchsanordnungen bis zu politisch-gesellschaftlichen Urteilen und sprachphilosophischen Betrachtungen oder gar Sprachspielen und Witzen. Das Offene und Experimentelle wird so, wie oft von der Forschung hervorgehoben, zum gemeinsamen Nenner seiner Denkweise und seines Sprachstils. Unsicherheit des Wissens, Irrtum, Möglichkeitssinn, skurrile Gedankenexperimente sind nicht nur kursorische Elemente einer unabgeschlossenen Textform, sondern Grundvoraussetzungen seines Denkens und Schreibens, wie etwa Albrecht Schöne exemplarisch an Lichtenbergs Konjunktiven gezeigt hat. 

Darüber hinaus gehören brevitas und perspicuitas, den Geboten der rhetorischen Tradition entsprechend, nicht nur zu Lichtenbergs Schreibform, sondern auch zu seinem - von Francis Bacon und von seinem Lehrer H.P. Erxleben geprägten - Ideal einer knappen, eleganten und unsystematischen Wissenskommunikation. Diese sollen inventio im doppelten topischen und erkenntnistheoretischen Sinn und Ordnung im doppelten Sinn von Ordnung des Wissens und rhetorischer Ordnung (dispositio) zusammenführen. 

Wie verhält sich diese epistemologische und rhetorische Konstellation zu Lichtenbergs biographischen Versuchen (exemplarisch dem über Copernicus), Romanfragmenten, Anekdoten und Fabeln, von denen viele unvollendet und unveröffentlicht blieben? Anhand einiger Textbeispiele soll versucht werden, einen Einblick in das Lichtenberg'sche "Erzählen in kleinen Formen" sowie in die Vermittlung von Fakt und Fiktion, von offener und auf (Er)findung beruhender Wissensstruktur und Ordnung des Erzählten zu ermöglichen.